Lesen lernen Kinder in der Schule

So lautet eine der zahlreichen Aussagen, die Prof. Dr. Anita Schilcher, Deutschdidaktikerin an der Universität Regensburg, im Rahmen eines Seminartages mit rund 150 Volksschul- und Sek-1-Lehrer/innen an der PH Tirol in Innsbruck deponierte.

„Es ist wertvoll, wenn es Eltern gelingt, zu Hause eine leseförderliche Atmosphäre zu schaffen, die Verantwortung für einen gelingenden Schriftspracherwerb liegt aber eindeutig in der Schule. Kommt es seitens der Lehrkräfte zu einer Verlagerung ins Elternhaus, wird das System noch ungerechter!“, führte Prof. Schilcher weiter aus. Sie als Mutter eines Schulanfängers, wisse genau, was es bedeutet, zu Hause täglich zehn Minuten zu lesen.

Dr. Schilcher gab in ihren beiden Referaten einen Überblick über den aktuellen Stand der Leseforschung. Dabei machte sie mehrere Problemzonen bzw. Hoffnungsgebiete fest:

  • Gezielte schulische Leseförderung nach dem Schriftspracherwerb in der ersten und zweiten Klasse: Lesekompetenz entwickelt sich nicht automatisch sondern nur durch gezieltes Training weiter.
  • Lesemotivations-Defizit und Gender-Gap beim Lesen: Fast jedes zehnte Mädchen und jeder fünfte Bub geben an, niemals zum Vergnügen außerhalb der Schule zu lesen.
  • Frühe Bildung: Chancen in Kindergarten und Vorschule nutzen!
  • Lesesozialisation: Vorbildwirkung der Eltern

Anita Schilcher begann ihre Laufbahn als Grund- und Hauptschullehrerin. Dies wurde besonders deutlich, als sie aus den Forschungsergebnissen Empfehlungen für die schulische Praxis ableitete, die sie mit zahlreichen Beispielen verdeutlichte:

  • Auch in der Schule Zeit und Raum für das Vorlesen schaffen
  • Immer wieder einmal den Lesestand feststellen und Kindern und Eltern kommunizieren
  • Ziele mit den Schüler/innen vereinbaren
  • Fortschritte sichtbar machen und den Kindern gegenüber wertschätzen
  • Lesen konsequent über die Schulzeit hinweg trainieren
  • Methoden und Strategien behutsam einführen und konsequent verfolgen

Institutsleiterin Dr. Christa Juen-Kretschmer, deren Institut die organisatorische Abwicklung der Veranstaltungen durchführte, rückte den Aufenthalt Dr. Schilchers in einen engen Kontext mit der „Lese-Offensive“ von Land Tirol und Landesschulrat für Tirol. Die Referentin griff diesen Ball mehrmals auf und würdigte die zahlreichen Tiroler Aktivitäten und vor allem das Supportsystem, das LSI Dr. Reinhold Wöll für die Tiroler Volksschulen aufgebaut hat.

Der Besuch von Prof. Schilcher an der PHT diente auch Gesprächen mit VR Dr. Werner Mayr über eine Forschungskooperation. Das an der Uni Regensburg entwickelte „Regensburger Selbstregulierte Lesetraining (RESL)“ könnte mit Unterstützung der PHT auch an einzelnen Tiroler Schulen evaluiert werden.

Bildquelle: Thomas Stornig (PHT)